Lieblingsgedichte

Freitag, 30. Dezember 2016

Der Schwester zu Silvester

Habe ein heitres, fröhliches Herz
Januar, Februar und März,
Sei immer mit dabei
In April und Mai,

Kreische vor Lust
In Juni, Juli, August,
Habe Verehrer, Freunde und Lober
In September und Oktober,
Und bleibe meine gute Schwester
bis zum Dezember und nächsten Silvester.

(Theodor Fontane)

Freitag, 28. Oktober 2016

Trost

Tröste dich, die Stunden eilen,
Und was all dich drücken mag,
Auch die schlimmste kann nicht weilen,
Und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew’gen Kommen, Schwinden,
Wie der Schmerz liegt auch das Glück,
Und auch heitre Bilder finden
Ihren Weg zu dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens
zählest du der Stunden Schlag:
Wechsel ist das Los des Lebens,
Und – es kommt ein andrer Tag.

Theodor Fontane

Donnerstag, 1. September 2016

In der Frühe

Kein Schlaf noch kuehlt das Auge mir,
Dort gehet schon der Tag herfuer
An meinem Kammerfenster.
Es wuehlet mein verstoerter Sinn

Noch zwischen Zweifeln her und hin
Und schaffet Nachtgespenster.
– Aengste, quaele
Dich nicht laenger, meine Seele!
Freu dich! schon sind da und dorten
Morgenglocken wach geworden.

Eduard Mörike

Sonntag, 21. Juni 2015

70 Jahre

Bei dir sind meine Gedanken
und flattern um dich her;
sie sagen, sie hätten Heimweh,
hier litt' es sie nicht mehr.

Bei dir sind meine Gedanken
und wollen von dir nicht fort;
sie sagen, das wär' auf Erden
der allerschönste Ort.

Sie sagen, unlösbar hielte
dein Zauber sie fest gebannt,
sie hätten an deinen Blicken
die Flügel sich verbrannt.

(Friedrich Halm)

* Gedanken für wvs

Freitag, 23. Januar 2015

Selig sind die Armen im Geiste


Ja, selig sind sie –
Selig wie Kinder,
Die, halb noch an nährender Mutterbrust,
Halb schon die ersten Schritte tun,
Von Blumen und Faltern gelenkt
Und vom Zwitschern des Vogels,
Aber verschüchtert sogleich
Vor jedem rauschenden Lufthauch
Zurück sich flüchten in die schützende Hut.
Nur Nächstes im Auge,
Greifen sie nach dem Nächsten nur –
Und so leben sie hin
Gute und böse Tage,
Harmlos, als müßt' es so sein,
Nur das eigene Wohl und Weh bedenkend.
Inzwischen schreitet an ihnen vorüber die Zeit
Und reißt die Ahnungslosen
Wie im Traum mit sich fort.
Und wenn sie dann plötzlich
Erwachen bei unsanftem Ruck,
Blicken sie auf und fragen in rührender Unschuld: was ist? –

Ja, was ist!? Ihr andern
Könnt es ihnen sagen:
Denn ihr wißt es.
Dann horchen sie auf
Und stehen beschämt –
Und klug wie zuvor.
Sie begreifen nichts,
Sie lernen nichts,
Und fremd bleibt ihnen alles,
Was ihr preist als die höchsten Triumphe der Menschheit.
Aber dafür auch
Bleibt ihnen erspart die letzte Erkenntnis:
Die Erkenntnis der eigenen Nichtigkeit
Und das öde Bewußtsein
Von des ewigen Einerlei trostloser Wiederkehr.

[Ferdinand von Saar (1833 - 1906),
österreichischer Schriftsteller, Novellist, Lyriker und Dramatiker]

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Die schöne Weihnachtszeit

Das Rentier mit dem Schlitten
ist in Palma gut gelitten.
Fliegt über Straß' und Brücken,
den Bewohnern zum Entzücken.
Das Fest der Liebe ist nicht weit,
zur Freude aller, die bereit,
den Frieden und das Licht zu finden,
das alle Menschen soll verbinden.
Das Rentier mit dem Schlitten
leuchtet hell in unsrer Mitten.
Bringt ganz still ein wenig Freud'
in der Weihnachtszeit den Leut'.

Montag, 1. April 2013

Frühlingsbotschaft

" Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute.
Klinge, kleines Frühlingslied,
Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus bis an das Haus,
Wo die Veilchen sprießen!
Wenn du eine Rose schaust,
Sag, ich lass sie grüßen. "

(Heinrich Heine)

Freitag, 5. Oktober 2012

Herzverschluss

Schließ dein Herz auch einmal zu,
gönn ihm kurz, erholsam Ruh`
dass den and`ren geht recht nah,
du bist nicht beständig da,
bist kein Freiwild immer schon
und nicht Festinstitution.


[Sigrid Mayr-Grube]

Montag, 3. Januar 2011

Der Handschuh.

 
Erzählung.

Vor seinem Löwengarten,
Das Kampfspiel zu erwarten,
Saß König Franz,
Und um ihn die Großen der Krone,
Und rings auf hohem Balkone
Die Damen in schönem Kranz.

Und wie er winkt mit dem Finger,
Aufthut sich der weite Zwinger,
Und hinein mit bedächtigem Schritt
Ein Löwe tritt,
Und sieht sich stumm
Rings um,
Mit langem Gähnen,
Und schüttelt die Mähnen,
Und streckt die Glieder,
Und legt sich nieder.

Und der König winkt wieder,
Da öffnet sich behend
Ein zweites Thor,
Daraus rennt
Mit wildem Sprunge
Ein Tiger hervor,
Wie der den Löwen erschaut
Brüllt er laut,
Schlägt mit dem Schweif
Einen furchtbaren Reif,
Und recket die Zunge,
Und im Kreise scheu
Umgeht er den Leu
Grimmig schnurrend,
Drauf streckt er sich murrend
Zur Seite nieder.

Und der König winkt wieder,
Da speit das doppelt geöffnete Haus
Zwey Leoparden auf einmal aus,
Die stürzen mit muthiger Kampfbegier
Auf das Tigerthier,
Das pakt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
Und der Leu mit Gebrüll
Richtet sich auf, da wirds still,
Und herum im Kreis,
Von Mordsucht heiß,
Lagern sich die greulichen Katzen.

Da fällt von des Altans Rand
Ein Handschuh von schöner Hand
Zwischen den Tiger und den Leu’n
Mitten hinein.
Und zu Ritter Delorges spottender Weis’
Wendet sich Fräulein Kunigund:
„Herr Ritter ist eure Lieb so heiß
Wie ihr mirs schwört zu jeder Stund,
Ey so hebt mir den Handschuh auf“
.

Und der Ritter in schnellem Lauf
Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger
Mit festem Schritte,
Und aus der Ungeheuer Mitte
Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.
Und mit Erstaunen und mit Grauen
Sehens die Ritter und Edelfrauen,
Und gelassen bringt er den Handschuh zurück,
Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
Aber mit zärtlichem Liebesblick –
Er verheißt ihm sein nahes Glück –
Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
Und der Ritter sich tief verbeugend, spricht:

"Den Dank, Dame, begehr ich nicht",
Und verläßt sie zur selben Stunde.

( Friedrich v. Schiller )


" Oh, ja, bei Schiller müssen sich die Damen warm anziehen und das finde ich auch ganz richtig und gut so!"

Montag, 27. Dezember 2010

Wieder Weihnachten

"  Noch einmal ein Weihnachtsfest,
   Immer kleiner wird der Rest,
   Aber nehm' ich so die Summe,
   Alles Grade, alles Krumme,
   Alles Falsche, alles Rechte,
   Alles Gute, alles Schlechte -
   Rechnet sich aus allem Braus
   Doch ein richtig Leben raus.
   Und dies können ist das Beste
   Wohl bei diesem Weihnachtsfeste. "

                             ( Theodor Fontane )

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